Viriato-und-ZLR

Viriato und ZLR

Das vielseitige Fahrplansystem

Im Mittelpunkt unserer Softwarelösungen steht das Fahrplansystem Viriato. Die Software dient der Angebots- und Betriebsplanung und ist dank ihrer einzigartigen Funktionen fester Bestandteil der Fahrplanplanung bei über 90 Unternehmen in 15 Ländern. Viriato ermöglicht es dem Anwender, in kurzer Zeit zahlreiche Varianten zu entwickeln und miteinander zu vergleichen.

Im Herbst 2012 schloss SMA ein über vier Jahre laufendes Projekt zur kompletten Neuentwicklung von Viriato erfolgreich ab. Nach dem vollständigen Architektur- und Technologie-Refactoring ist Viriato das modernste auf dem Markt verfügbare Fahrplansystem für die Eisenbahn. Die neue, objektorientierte Architektur basiert auf dem .NET Framework und ist einerseits deutlich leistungsfähiger, anderseits für grosse Eisenbahnnetze besser skalierbar. Sie erlaubt zudem die einheitliche Integration von zusätzlichen benutzerspezifischen Funktionen. Eine Reihe von Ergänzungen und Verbesserungen erhöhen die Effizienz des Planungsprozesses. Zusätzlich stärkt ein neues, optionales Enterprise-Modul Viriato als betriebliches Planungsinstrument.

Mit der Zuglaufrechnung (ZLR) bietet SMA eine zweite eigenständige Softwarelösung an, die der Lang-, Mittel- und Kurzfristplanung sowie der Disposition dient. Zusammen mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) wurde die ZLR für den Einsatz in der Schweiz kalibriert. Heute stimmen die von ihr berechneten Fahrzeiten präzise mit den tatsächlich gefahrenen Zeiten überein.

Im Bereich Viriato und ZLR hat SMA in den letzten Jahren unter anderem die folgenden Projekte umgesetzt:

  • DB Fernverkehr: Projekt FF (Fahrplan-Fortschreibung)

    Im Januar 2012 erhielt SMA nach einer europaweiten Ausschreibung den Auftrag, ein neues System für die Fahrlagenplanung bei DB Fernverkehr zu liefern. Das Projekt setzt im Kern auf das bewährte Produkt Viriato sowie dessen Erweiterung Viriato Enterprise. Es umfasst aber auch zahlreiche funktionale und prozessuale Erweiterungen wie integrierte Funktionen zur qualitativen und quantitativen Bewertung der Planungen oder eine Unterstützung für die evolutionäre Entwicklung von Fahrlagen über deren gesamte Lebensdauer. Dieses Projekt, das im April startete, ist mit Abstand das grösste in der gesamten Firmengeschichte von SMA. Entwicklungsseitig wurden mit der Modellierung und Entwicklung von Viriato Enterprise die Grundlagen für das neue System Viriato.FF vorangetrieben. In der zweiten Jahreshälfte nahm die Umsetzung der FF-spezifischen Funktionen einen Grossteil unserer Entwicklungsressourcen in Anspruch, und zum Jahresende konnten wir dem Kunden ein erstes Release des neuen Systems übergeben.

  • Einführung von Viriato 8 bei den SBB

    Die SBB setzen Viriato seit mehreren Jahren für die konzeptionelle Angebots- und Betriebsplanung ein. In diesem System werden die lang- bis mittelfristigen Studien und Fahrpläne erstellt. Die ausgewählten Varianten fliessen in das nachgelagerte Trassensystem NeTS, wo sie die Grundlage für den detaillierten Jahresfahrplan bilden.
    Viriato zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, viele Fahrplanvarianten effizient und detailliert zu vergleichen. Um von dieser Flexibilität weiterhin zu profitieren, haben sich die SBB entschieden, die auf die .NET-Plattform migrierte Version 8 von Viriato einzuführen. SMA hat mit einem Kreis von Viriato-Benutzern bei den SBB die über den Standardproduktumfang hinaus benötigten Funktionen spezifiziert und anschliessend umgesetzt. Dabei lag der Fokus auf den Regeln zur Berechnung der Kursbuchzeiten, der Verwendung der Zugabfertigungszeiten und der Anbindung von Viriato an das nachgelagerte System NeTS. Durch die regelmässige Lieferung von Zwischenversionen konnten wir sicherstellen, dass die entwickelten Funktionen mit den Benutzerbedürfnissen im Einklang waren, und dadurch eine hohe Akzeptanz gewährleisten. Zusätzlich wurde Wert darauf gelegt, dass die neue Version das alte System ohne Datenverlust und Produktionsunterbruch ablöst.

  • NMBS/SNCB wählt Viriato.Enterprise

    Die belgische Nationalbahn (NMBS/SNCB) benutzt seit mehreren Jahren Viriato für langfristige Studien und die Konstruktion ihres Jahresfahrplans. Um auch alle Phasen der unterjährigen Planung bis zu den kurzfristigen Trassen abdecken zu können, hat NMBS die neue Lösung Viriato.Enterprise bestellt. Diese Lösung bietet ein flexibles Zugmodell mit täglichen Varianten. Sie erlaubt auch die zeitliche Entwicklung der Infrastruktur zu verwalten. Dank den neuen Funktionen von Viriato.Entperprise wird NMBS alle Planungsphasen mit einem einzigen System abdecken können, und damit den Fahrplan in dessen Gesamtheit bewerten und optimieren können.

  • SBB Infrastruktur: Epsilontrasse für ADL

    Das Projekt ADL der SBB hat zum Ziel, ungeplante Rothalte bei Zugfahrten zu vermeiden. Indem den Lokführern frühzeitig tiefere Geschwindigkeiten empfohlen werden, erreichen sie das Signal erst dann, wenn es bereits wieder Grün zeigt. Damit können im Bahnbetrieb nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch Verspätungen reduziert werden. Im Rahmen dieses Projekts hat SMA ein Zusatzmodul zur ZLR namens Epsilontrasse entwickelt. Zusätzlich zur Vermeidung von Rothalten senkt es den Energieverbrauch dadurch, dass dem Lokführer nicht nur eine einzige konstante Geschwindigkeit, sondern mehrere verschiedene Fahrempfehlungen ausgegeben werden. Die Empfehlungen in Form von Beschleunigen, Bremsen oder Ausrollen bis zu einer Zielgeschwindigkeit werden mit Hilfe eines Dynamic-Programming-Algorithmus berechnet. Der Lokführer kann dabei unterwegs verschiedene Vorgaben wählen, etwa die maximale Anzahl Fahrempfehlungen oder die früheste und späteste Durchfahrzeit an bestimmten Orten.

  • SBB Infrastruktur: Projekt AAFD (Ablösung Altsysteme Fahrdynamik), Teil 1

    Die SBB setzen bei der Disposition und Fahrplanerstellung bereits seit einigen Jahren den von SMA entwickelten Fahrzeitrechner ZLR (Zuglaufrechnung) ein. Das IT-Projekt AAFD hat zum Ziel, das 25-jährige Vorgängersystem zur Fahrzeitberechnung endgültig abzulösen. SMA unterstützte die SBB im Rahmen dieses Projekts bereits bei der Konzeption und erweitert nun das System ZLR um eine neue Analyseapplikation. Diese bietet die Möglichkeit, kombinierte Studien zu den Themenkreisen Zugfolgezeiten, Fahrzeitvergleiche, Signaldistanzen, Langsamfahrstellen und infrastrukturbedingte Geschwindigkeitseinschränkungen mit einem einzigen Tool durchzuführen.

  • SBB Infrastruktur: Projekt AAFD (Ablösung Altsysteme Fahrdynamik), Teil 2 - Ausbau der ZLR-Toolbox

    Das IT-Projekt AAFD für die SBB konnte Ende 2012 mit dem Ausbau der ZLR-Toolbox zu einer vielseitigen Analyseapplikation erfolgreich abgeschlossen werden. Ab 2013 setzen die SBB die Software ein, um Zugfolgezeiten und Fahrzeitvergleiche zu untersuchen sowie Signaldistanzen und Langsamfahrstellen zu planen. Im laufenden Jahr werden wir sie um zusätzliche Funktionalitäten für die Analyse von infrastrukturbedingten Geschwindigkeitseinschränkungen erweitern und die Benutzerfreundlichkeit auf der Grundlage der Erfahrungen aus der Betriebserprobungsphase verbessern.

  • Strategische Angebotskonzeption Sachsen-Anhalt 2030

    In den neuen deutschen Bundesländern besteht eine grosse Dynamik im Hinblick auf die Erneuerung der Infrastruktur und die Ausschreibung von Schienenpersonennahverkehrsleistungen. In einer Arbeitsgemeinschaft mit der DB Netz AG hat SMA für das Bundesland Sachsen-Anhalt einen landesweiten integralen Taktfahrplan für den Zeithorizont 2030 entwickelt. Dieses Angebotskonzept dient als Grundlage für die strategische Ausrichtung des Schienenverkehrs und für die Bewertung bzw. Priorisierung von Infrastrukturmassnahmen. Im Projektverlauf entstand eine Infrastrukturliste mit 85 Massnahmen. Einige davon waren bereits beschlossen, für andere galt es zu prüfen, inwiefern sie für das Angebotskonzept 2030 erforderlich sind. Einzelne Massnahmen konnten aus der Konzeptentwicklung abgeleitet werden und erlauben eine Optimierung im Planungsdreieck Angebot - Rollmaterial -  Infrastruktur.
    Das Land Sachsen-Anhalt bzw. dessen Aufgabenträger (NASA) nutzte diese Gelegenheit, um linien- oder korridorbezogene alternative Angebotskonzepte auszuarbeiten und zu prüfen. Viele dieser Ideen werden seit Jahren diskutiert und liessen sich im Rahmen der Untersuchung zu Papier bringen und auf einer soliden Datenlage bewerten. Einzelne dieser alternativen Ansätze haben schliesslich auch den Weg in die finale Version der strategischen Angebotskonzeption Sachsen-Anhalt 2030 gefunden. Die NASA verfügt mit der Strategie Sachsen-Anhalt 2030 über ein Konzept, das eine solide fahrplantechnische Grundlage für die Planungen im Schienenverkehr in den nächsten Jahren bildet.

  • Tibco-Optimierung der Zuglaufrechnung

    Die Zuglaufrechnung (ZLR) nimmt bei den SBB eine zentrale Rolle im Rahmen der Prognose des Dispositionssystems RCS ein. Sie ist über das Messaging System Tibco in die betrieblichen Prozessabläufe eingebunden und erfüllt die dort geforderten hohen Performance- und Stabilitätsansprüche. Diese Anbindung haben wir für einen robusteren Dauerbetrieb technisch weiter optimiert. Für einzelne Aufrufe können nun eine Priorität, eine Laufzeitbegrenzung und ein Verfallsdatum konfiguriert werden, wodurch eine gleichmässige Abarbeitung und die Vermeidung von Stausituationen innerhalb des Systems gewährleistet werden. Zudem wurden die Monitoring-Möglichkeiten durch verschiedene Massnahmen verbessert.

  • Vietnam Railways (VNR): Viriato als Teil einer Gesamtlösung

    Die Vietnam Railways haben sich im Rahmen einer Ausschreibung für die Softwarelösung IVU.rail unseres Partners IVU Traffic Technologies AG aus Berlin entschieden. VNR erhält eine Gesamtlösung, die sämtliche Bereiche von der Planung, Disposition und Steuerung des täglichen Betriebs bis hin zur Fahrgastinformation abdeckt. Als Teilsystem für die mittel- und kurzfristige Fahrplanplanung steuert SMA das bewährte Produkt Viriato bei. Wie bei der prozessintegrierten Verwendung von Viriato üblich, wird die vorgeschlagene Lösung mit kundenspezifischen Anpassungen ergänzt. Eine besondere Herausforderung dieses Projekts liegt in der Tatsache, dass der Kunde gewissermassen von null auf hundert von Bleistift, Lineal und Telefon auf ein komplexes IT-Gesamtsystem umsteigen wird.